9.3.2006: Due Diligence Diskussionsforum

Auf der Seite http://www.my-controlling.net/due_diligence.htm wurde ein Diskussionsforum für Fragen zum Themenbereich Due Diligence eingerichtet.

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Verplant – aber mit Nachsicht

Die 15-16-Jährigen haben ein neues Modewort: verplant. Dieses verplant bezieht sich häufig auf eine Person. Jemand ist verplant, z.B.: “Mutti, du bist heute aber ganz schön verplant.” Verplant bedeutet dabei “unorganisiert”, “etwas daneben”, “leicht chaotisch”. Verplant ist jemand z.B., wenn er losläuft und dabei vergessen hat, warum er losgelaufen ist. Der Normalfall für die Jugendlichen ist somit, dass sich jemand planvoll verhält. (Die Zukunft des Controllings ist gesichert ;-)).

Verplant klingt dabei aber etwas verständnisvoller, nachsichtiger als “Abweichler” oder “Abweichung”. Da hat sich jemand verplant oder ist verplant. Vielleicht ist man zur allgemeinen Freude auch als Controller manchmal etwas verplant.

Goethe und die Buchhaltung

„Welche Vorteile gewährt die doppelte Buchführung dem Kaufmanne! Sie ist eine der schönsten Erfindungen des menschlichen Geistes und ein jeder guter Haushalter sollte sie in seiner Wirtschaft einführen.“ Goethe in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, 1. Buch, 10. Kapitel

Lit.-Empfehlung: Controlling mit SAP

Controlling mit SAP
Controlling mit SAPvon Gunther Friedl, Christian Hilz, Burkhard Pedell, Broschiert – 275 Seiten – Vieweg, Erscheinungsdatum: Oktober 2005, Auflage: 4., verb. u. erw. Aufl., ISBN: 3834801011
Das Standardwerk zum Controlling mit SAP in 4. Auflage. Die Vorzüge: Leichte Verständlichkeit, Beispielorientierung und überschaubarer Umfang der Darstellung. Das klar strukturierte Konzept führt den Leser anhand einer Fallstudie auch ohne Vorkenntnisse zu einem umfassenden Verständnis. Die Zusammenhänge werden Schritt für Schritt erläutert: Von den Grundlagen der Kostenrechnung und des Controlling über die Funktionsweise der SAP-Software bis hin zur Anwendung im praktischen Betrieb. Mit der vierten Auflage wurden Text, Abbildungen und Sreenshots vollständig überarbeitet und an den aktuellen Stand von SAP R/3 Enterprise (Release 4.7) angepasst. Die zusätzliche Angabe der Transaktionscodes erleichtert die Handhabung.

Lit.-Empfehlung: Der Weg zu den Besten

Der Weg zu den Besten
von Jim Collins, Sprache: Deutsch, Broschiert – 359 Seiten – Dtv, Erscheinungsdatum: November 2003
ISBN: 3423340398
Wie wird aus einem guten ein Spitzenunternehmen? Fragten sich Jim Collins und seine Mitarbeiter und analysierten Unternehmen, die plötzlich Spitzenresultate erzielten und diese mindestens 15 Jahre halten konnten.
Basierend auf den erstaunlichen Ergebnissen dieser Studie hat Collins sieben Schlüsselfaktoren herausgearbeitet, die für den Aufstieg jedes Unternehmens, aber auch jede Einzelnen entscheidend sind. Überzeugend und gut nachvollziehbar zeigt Collins auf, wie man Schritt für Schritt gute in Top-Leistungen transformiert und dafür sorgt, dass man an der Spitze bleibt. Eines der besten Management-Bücher der letzten Jahre.

Parallele Entwicklungen zwischen dem Controlling und dem Gesundheitswesen in Deutschland?

In der SZ vom 4./5. März gab es auf der Seite 22 einen Artikel von Werner Bartens mit dem Titel “Der deutsche Patient”. Während des Lesens erschienen mir zahlreiche Parallelen zwischen der Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen und im Controlling.

Vielleicht lassen sich Controller auch als betriebswirtschaftliche Ärzte einer Firma interpretieren. Dann wären die Zentralcontroller eher die Fachärzte und die dezentralen Controller eher die Hausärzte.

Auch werden Controller meistens erst bei Abweichungen aktiv und entwickeln Maßnahmenvorschläge. Doch nun zum Artikel. Dort heißt es u.a.:

“Noch immer unterliegen Mediziner dem “Zwang zur Diagnose”, wie es der Philosoph Wolfgang Wieland nannte, und machen weder sich noch ihren Patienten klar, dass diese Untersuchung oder jener Befund keine Konsequenzen hat.”

(Arzt und Patient benötigen) “… das Konstrukt einer notwendigen Krankheitsursache.

“Bekommen Patienten zu hören, sie hätten etwas, sind sie enttäuscht. Wird ihnen gesagt, sie hätten nichts, sind sie auch enttäuscht.”

Hier scheint mir eine Parallelität zum Aufwand und dem Dilemma der controllerischen Analysen im Berichtswesen und bei Sonderaufgaben vorzuliegen.

Weiter:

“Die Selbstwahrnehmung als gesund verflüchtigt sich unter dem Diktat von Risikoabwägungen: Es gibt kaum noch Gesunde – nur Menschen, die nicht gründlich genug untersucht worden sind.”

“Mediziner pathologisieren das Normale und katalogisieren es in wichtig klingende Diagnosen: Burnout, Sick-Building-Syndrom, … neuer im Angebot sind die Diagnosen Schreikind, Wechseljahre für den Mann, Glatze für die Frau. … Die Medizin schafft sich so einen Teil ihres Bedarfes selbst: Unter dem Schlagwort Screening und Risikominimierung werden Gesunde vorbeugend untersucht.”

Sind Parallelen zu Management-Buzzwords und Risiko-Controlling möglich? Gibt es kaum noch “gesunde” Firmen, sondern nur noch Firmen mit mehr oder weniger hohen Existenz- bzw. Insolvenzrisiken?
“Uwe Reinhardt, ein origineller amerikanischer Ökonom, entwarf bereits vor Jahren die Vision der Industrienation, die sich in ein riesiges Krankenhaus verwandle – in dem jeder Bewohner arbeite oder als Patient läge.”

Oder als Controller die wirtschaftlichen Prozesse plant bzw. die Abweichungen zwischen Plan und Ist analysiert? Brauchen Firmen evtl. gar keine Kunden mehr, sondern können sich nur noch mit Planungs- und Abweichungsfragen beschäftigen?
Weiterhin ist zu lesen:

“Ein Vergleich von 6 Ländern zeigte 2005, dass Deutsche mit dem Gesundheitswesen unzufriedener sind als Amerikaner, Kanadier, Briten, Australier und Neuseeländer…. Doch haben die Deutschen die kürzesten Wartezeiten, die verlässlichsten Laborbefunde, die wenigsten Krankenhausinfektionen und die größten Freiheiten bei der Arztwahl.”

“Eine Befindlichkeitsindustrie aus Ärzten, Patienten und Pharmaindustrie, die (.. normale Entwicklungen (Altersschwäche , Gesundung durch Ruhe etc.) und …) jede Abweichung zur Krankheit erklärt, lässt einen Zustand ohne Beschwerden als suspekt erscheinen.”

Genauso wäre ein Controlling ohne Abweichungen suspekt. Das führt eventuell dazu, dass wir die Besten sind, es aber nicht merken und auch nicht genießen können, weil wir auf die Abweichungen fokusziert sind, die uns weiter nach vorne treiben.

Vielleicht mag auch noch ein letzter Vergleich stimmen. Entscheiden Sie selber.

“Der Psychiater Klaus Dörner brachte das “Leiden an der Gesundheit” auf den Punkt: “Je mehr ich für meine Gesundheit tue, desto weniger gesund fühle ich mich.”

Je mehr Controlling ich betreibe, desto wirtschaftlich schlechter fühle ich mich als Firma oder Land, auch wenn ich seit 3 Jahren Exportweltmeister bin???