Archive for May, 2010

„Controlling-Prozessmodell“
31. May 2010

Am 29. Mai 2010 fand in Winterthur auf Einladung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften die jährliche Mitgliederversammlung der International Group of Controlling (IGC) unter Leitung des Sprechers des geschäftsführenden Ausschusses, Dr.-Berger-Vogel, statt. Neben den üblichen Regularien standen im fachlichen Mittelpunkt die Themen “Blendet Learning Sytems” und “Controlling-Prozesse”.

Bernhard Grassl, Bereichsleiter Lernmedien des Malik Managementzentrum St. Gallen, und Dr. Lucas Rieder, Controller Zentrum St. Gallen, berichteten über E-Learning-Projekte im Bereich Controlling. Quintessenz: Blendet-Learning-Systeme, das heißt eine Mischung aus E-Learning und Präsenzveranstaltungen, sind immer mehr im Kommen, aber aufgrund der hohen finanziellen Vorleistungen insbesondere für Großunternehmen, unter anderem um Sparpotenziale in internationalen Trainings bei den Reisekosten zu realisieren, interessant.

Im zweiten fachlichen Teil berichteten als Sprecher der IGC-Arbeitsgruppe “Controlling-Prozessmodell” Dr. Uwe Michel, Leiter Competence Center Controlling und Finanzen, Horváth & Partners, und Leiter dieser IGC-Arbeitsgruppe, sowie Magister Hubert Tretter, CFO, Brau Union Österreich, die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe. Es wurde ein Controlling-Prozessmodell erarbeitet, das als Standardlandkarte der Controllingprozesse und zur Vorlage ihrer Gestaltung dienen kann. Weiterhin können anhand dieses Prozessmodells die Controllingprozesse schnell erklärt werden. Ebenso bietet dies Prozessmodell eine Hilfe für Controlling-Verantwortliche, ihre Konzepte zu überprüfen. Dieses Controlling-Prozessmodell bildet einen Meilenstein in der Entwicklung einer übereinstimmend getragenen Controlling-Konzeption. In wenigen Monaten wird dieses Controllingprozessmodell in Form einer anschaulichen wie ausführlich visualisierten Broschüre erscheinen. Der genaue Erscheinungstermin wird an dieser Stelle bekannt gegeben.

Prämissen in der strategischen Planung
17. May 2010

Einige von Ihnen, lieber Leser, erinnern sich vielleicht noch an das Formular “Strategische Planung” der Controller-Akademie, das aus den Rubriken “Leitbild”, “Ziele”, “Strategie”, “Prämissen” und “Maßnahmen” bestand.

Zur Diskussion führte häufig das Feld “Prämissen”. Viele Seminarteilnehmer hätten in dieses Feld am liebsten den Satz hineingeschrieben: “Die Planung trifft ein, wenn alle Annahmen (Einstandspreise, Verkaufspreise, Energie- und Lohnkosten etc.) eintreffen!” Das ist bei der Planung aber sowieso unterstellt und sollte nicht mehr explizit und “bürokratisch” in einem Extra-Feld dokumentiert werden.

Prämissen sind in diesem Formular eher stillschweigend unterstellte strategisch-qualitative Annahmen über Mitbewerber, Gesetzgeber etc. Treten diesen Voraussetzungen nicht ein, ist das Erreichen der Strategie gefährdet. Man könnte sie auch als strategische Frühwarnindikatoren bezeichnen.

Aktuell fand ich in der letzten Woche einen Artikel in der FTD zum Thema GEZ-Gebührenreform, der die Prämissen der öffentlich rechtlichen Anstalten berühren dürfte, die über eine (mehrjährige) Rundfunkgebührenperiode eine Kostendeckung zu erzielen haben. Dabei war bislang unterstellt: a) es darf Erlöse aus Werbesendungen geben und b) die Rundfunkgebühren, die die Kommission zu Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) für einen Zeitraum von 5 Jahren festsetzt, reichen aus, den Restbetrag zu decken.

Wenn nach einem Gutachten von Prof. Kirchhof im
Rahmen der Gebührenreform bei ARD und ZDF auch auf Werbung und Sponsoring zu verzichten sei, so müssten die Einnahmeausfälle aber durch die Gebühr ausgeglichen werden. Das wäre eine z.B. Prämisse in der strategischen Planung.

Ähnliche Prämissen gelten in vielen Branchen, z.B. in der Pharmaindustrie in Bezug auf Patentschutz und die Preisbildung bei neuen Produkten. Diese bei einer Strategie stillschweigend unterstellten Verhaltensannahmen über Gesetzgeber, Mitbewerber und Muttergesellschaften sollten vom Controller auch in schriftlicher Form dem Management transparent gemacht werden. Man kann sie dadurch besser nachverfolgen und auch rechtzeitig ein Fragezeichen setzen, ob es nicht langsam an der Zeit sei, diese Prämissen in Frage zu stellen und Strategiekorrekturen vorzunehmen.

Seminar „Kosten- und Ergebnismanagement“ für Führungskräfte
10. May 2010

Gerade aktualisiere ich ein Seminar für nichtkaufmännische Führungskräfte, das zu meinen Lieblingsseminaren als Trainer zählt, da es fast alle finanzwirtschaftlichen Systeme und aus ihnen resultierende betriebswirtschaftliche Beeinflussungsmöglichkeiten zur Verbesserungen von Unternehmensergebnissen sehr plakativ aufzeigt. Von der Strategie und Ergebniszielsetzung “wandern” wir fachlich über die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz, das Cashflow und Working-Capitalmanagement, zum Overhead- und Gemeinkostenmanagement und “landen” schließlich beim Management von Restrukturierungsprozessen.

Die einzelnen Themen werden immer anhand von Praxisbeispielen “belebt”. Zum nächsten Seminar in Köln am 21./22.6.2010 gibt es noch freie Plätze. Wenn Sie eine Führungskraft sind bzw. eine entsprechende Person kennen, die sich innerhalb von 2 Tagen über ihre “Stellhebel” umfassend systematisch informieren möchte, können Sie nähere Informationen unter http://www.haufe-akademie.de/78.12 oder bei mir erhalten.

(Ex-) Controller als Aufsichtsräte?
9. May 2010

Ein Telefonat mit einem Ex-Controller eines Großunternehmens, (50), der jetzt als Interimsmanager arbeitet, führte auch zu persönlichen Quo-Vadis-Gedanken. “Am liebsten würde er zukünftig in mittelständischen Unternehmen als Aufsichtsrat bzw. Beirat arbeiten. Es dürfte doch zunehmend von Aufsichtsräten auch ein spezifisches Business-Know-How verlangt werden als ein einfaches “Durchwinken””, so äußerte es sich.

Dieser Meinung scheint auch Wolfgang Reitzle, Aufsichtsratschef des Autozulieferers Continental, zu sein. In einem FTD-Artikel vom 28.4.10 unter dem Titel “Reitzle durchleuchtet Conti-Aufseher” heißt es u.a.: ” …
hat er (Reitzle) vor einigen Wochen eine sogenannte Effizienzprüfung des Gremiums (AR) initiiert, … ” und “Die steigende Zahl unabhängiger Leistungstests ist das Ergebnis wachsender Ansprüche der Aktionäre und des Gesetzgebers an die Aufsichtsräte und deren Chefs: Sie sollen die Vorstände, also das operative Management, stärker unterstützen und kontrollieren.”

Das wäre doch auch eine Aufgabe, die ehemalige Chef-Controller übernehmen könnten. Vielleicht nicht unbedingt bei Continental, aber gerade mittelständische Unternehmen dürften an komptenten AR-Mitgliedern mit “Drittblick” und Fachkompetenz, die Controller ihnen bieten können, interessiert sein. Es könnte sich hier ein neues Einsatzgebiet für Senior-Controller ergeben, wenn die Aktionäre es wollen. Doch wie können Controller den Kontakt zu Aktionären herstellen? Hier müssen noch Brücken, z. B. über Personalberater, gebildet werden.

Volkswirtschaftslehre wieder interessant
4. May 2010

Jahrelang bezogen sich meine volkswirtschaftlichen Interessen als Controller insbesondere auf die Preisbildung für Devisen und Rohstoffkosten über Angebot und Nachfrage sowie den Einfluss der zunehmenden “Staatsquote” auf die Steuer- und Abgabenhöhe von Unternehmen.

Spätestens seit der Bankenkrise, und verstärkt durch die Finanzkrise, interessieren mich die Staatsverschuldung und die Abhängigkeiten vieler Staaten von der Finanzwirtschaft, d.h. volkswirtschaftliche Fragestellungen, sehr viel mehr, da sie auch direkten Einfluss auf die Unternehmen ausüben.

Insofern hat mich heute ein kleiner Bericht in der FTD unter der Überschrift “Griechenland mal 43” wieder sehr aufmerksam gemacht. Die Überschrift “Griechenland mal 43” bezieht sich auf die US-Volkswirtschaft, die 43 mal größer als die griechische Volkswirtschft ist. In dem Artikel heißt es u.a. “Die marktbasierten Einkünfte aus Privatbeschäftigung, Selbstständigkeit, Mieten, Dividenden und Zinsen machen gerade noch 68 Prozent des gesamten Vorsteuereinkommens der privaten Haushalte (in den USA) aus, ein Negativrekord seit Beginn des vierteljährlichen BIP-Ausweises 1947. Die Auslagen der Verbraucher entsprechen inzwischen 130 Prozent des marktbasierten Einkommens vor Steuern, ebenfalls ein Rekord.”

Was ist meine Interpretation? Ein immer größerer Anteil des US-amerikanischen Vorsteuereinkommens wird durch den Staat finanziert, z.B. durch Transferzahlungen und Beschäftigungen im öffentlichen Sektor. Wie refinanziert sich der Staat? Durch Steuern, Abgaben und Schuldenaufnahme, wodurch die Zins- und Abgabenlast für die Unternehmen und Bürger, die Steuern und Abgaben leisten, noch höher wird, wird wiederum weniger Nachfrage und damit eine geringere Beschäftigung erzeugt. Eine Abwärtsspirale, wenn nicht ein Wachstum aus einer boomenden Wirtschaft kommt. Das weltweite Schuldenproblem hat inzwischen ein weitaus größeres Ausmaß als nur die drohende Insolvenz der Länder Griechenland, Portugal und Spanien, die aufgrund von Bürgschaften sowieso nicht eintreten wird. Größere Probleme könnten sich aus der finanziellen Situation der USA ergeben. Der berühmte Ökonom Nouriel Roubini wird in dem FTD-Artikel “Roubini sieht USA in Gefahr”, vom 29.4.2010, u.a. wie folgt zitiert:” “Das Risiko, dass den USA etwas Ernstes passiert, ist erheblich.”

Was ist die Lösung? Ein Ansatz könnte sein, nach jahrzehntelangem betriebswirtschaftlichem Wissenszuwachs in der Bevölkerung, u.a. durch mehr Sebständigkeiten, jetzt ein zunehmendes volkswirtschaftliches Wissen und damit Bewusstsein zu fördern. Die Bürger bzw. die Wähler können nicht weiterhin immer höhere Leistungen vom Staat verlangen, die zu immer höheren Belastungen für die nächsten Generationen führen. Wann wählen Wähler endlich Politiker, die für einen Schuldenabbau in Stufen plädieren, woraus aber auch mehr Eigenverantwortung für die Bürger resultiert?

Weiterhin bräuchten wir (eigentlich) zunehmend ein volkswirtschaftliches Controlling und eine Volks- oder Welt-Balanced-Scorecard, d.h. ein abgestimmtes übergeordnetes Zielsystem, aus dem sich Einzelziele ableiten lassen können.

Den letztgenannten Punkten stehen jedoch häufig eine übergroße Komplexität, eine bestehende Ungerechtigkeit und auch ein Besitzstandsdenken gegenüber. Doch die Belastung durch Schulden und die Abhängigkeit von den Finanzmärkten, nur um durch Wahlversprechungen die nächsten Wahlen zu gewinnen, könnte langfristig in die finanzielle Katastrophe vieler Volkswirtschaften führen. Aber vielleicht gibt es auch irgendwann eine “UN-Taskforce” für solche Länder.

Generell könnte sich nach dem Ökobewußtsein weltweit zunehmend ein Schuldenbewußtsein entwickeln, auch wenn es der Einzelne nicht so physisch wahrnehmen mag, wie eine Umweltverschmutzung in seinem Land.Sustainability, d.h. Nachhaltigkeit bzw. Zukunftsfähigkeit, werden immer mehr Bedeutung für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Handeln erhalten.

Zugegeben: Die Beeinflussungsmöglichkeiten in der Volkswirtschaft sind für Individuen geringer als in einem Unternehmen. Auch müssen in der Volkswirtschaft heterogen Massen mit divergierenden Zielen überzeugt werden.

Doch könnten wir einen Anfang wagen, indem z.B. wir als Controller, methodisch zuständig für eine “ausgewogene Unternehmensplanung”, mehr volkswirtschaftliche Verantwortungen und Aufgaben übernehmen und dort unsere Verfahren und Erfahrungen einsetzen, z.B. Mitgliedschaft in Parteien, Parlamenten und gemeinwirtschaftlich Organisationen und dabei mit Methodenkompetenz und Vorbildfunktion vorangehen, z.B. nicht langfristig über seine Verhältnisse leben, aber welcher Controller macht das schon;-). Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich unsere Weltwirtschaftsordnung in den nächsten 20 Jahren rasant verändern. Arbeiten wir daran aktiv mit!

Über Ihre Beiträge “Controller und volkswirtschaftliches Verhalten” würde ich mich freuen. Oder ist das Thema zu abstrakt? Beschäftigen uns operative Themen in Unternehmen mehr? Diskutieren Sie mit!

Risikocontrolling: Dominoeffekte in globalen Netzen
1. May 2010

Unter dem Artikel “Wie verletzlich ist Deutschland” berichtete wiwo.de am 27.4.2010, nach den Effekten aus dem Flugverbot, über den oft einfältigen Schutz von Unternehmen vor den Risiken aus globalen Netzen. Der Artikel bezieht sich u.a. auf die Studie “Global Risks 2007” des World Economic Forums und zeigt auch eine Grafik der 23 Hauptrisiken, die unten angefügt ist. Diese Risk Map kann als Meta-Ebene für das unternehmensinterne Risikocontrolling betrachtet werden.

Inwieweit kann das eigene Unternehmen von diesen Risiken betroffen werden? Gegen welche Risiken sollen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, welche können “überwälzt” werden und welche sollen selber getragen werden?

Quelle: World Economic Forum, Global Risks 2007, S. 8; Die vollständige Studie gibts zum Download unter http://www.risknet.de/Detailansicht-NEWS.479.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=637